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Funktionale Konzeptkarten zur "Bodenerosion"
Die Verhinderung von Bodenerosion stellt einen wichtigen Aspekt des Ressourcenschutzes dar. Eine elementare Vorraussetzung für sinnvolle Schutzmaßnahmen ist die möglichst realistische Abschätzung der tatsächlichen Bodenerosion.
Die hier vorgestellten Verfahren zur Abschätzung der Bodenerosion durch Wasser demonstrieren einerseits die Vorteile des Systems der "Funktionalen Bodenkonzeptkarten", da es durch Handhabung der einzelnen erosionsrelevanten Geofaktoren als Kontinuum nicht zur Addition von Unschärfen durch Verschneidung von klassifizierten Vektordaten kommt. Andererseits wird am Beispiel "Bodenerosion" besonders gut deutlich, wie verschiedene Produkte zu den Themenbereichen (Geofaktoren) "Klima", "Relief" und "Boden" als Basisdaten für eine praxisorientierte Anwendung dienen.
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Allgemeine Bodenabtragsgleichung (ABAG)
Eine allgemein bekannte und oft verwendete methodische Grundlage für die Abschätzung der Bodenerosion durch Wasser bildet die "Universal Soil Loss Equation" (USLE) nach WISCHMEIER & SMITH (1978) bzw. deren Übertragung auf bayerische Verhältnisse von SCHWERTMANN & VOGL & KAINZ (1990) als "Allgemeine Bodenabtragsgleichung" (ABAG). Betreffs Details zur Abschätzung der Bodenerosion wird auf diese Veröffentlichungen verwiesen. Die kompletten Literaturtitel sowie weitere Titel zum Thema Bodenerosion siehe unsere "Literaturliste".
Nach der Allgemeinen Bodenabtragsgleichung wird die Bodenerosion durch Wasser berechnet als:
A = R * K * L * S * C * P
wobei
A = Langjähriger, mittlerer Bodenabtrag in t/ha * a (zu berechnende Zielgröße)
R = Regen- und Oberflächenabflußfaktor: Maß für die Erosivität der Niederschläge, berechnet aus der Niederschlagsintensität aller erosionswirksamen Einzelregen eines Jahres
K = Bodenerodierbarkeitsfaktor: Maß für die Erodierbarkeit des Bodens, berechnet aus einer Reihe von Bodeneigenschaften
L = Hanglängenfaktor: Verhältnis des Bodenabtrags eines Hanges gegebener Länge zum Standardhang der USLE (22 m Länge)
S = Hangneigungsfaktor: Verhältnis des Bodenabtrags eines Hanges gegebener Neigung zum Standardhang der USLE (9 % Neigung)
C = Bedeckungs- und Bearbeitungsfaktor: Verhältnis des Bodenabtrags unter beliebiger Bewirtschaftung (z.B. Kulturpflanze) zur Schwarzbrache
P = Erosionsschutzfaktor: Verhältnis des Bodenabtrags bei beliebigen Erosionsschutzmaßnahmen (z.B. Konturpflügen) zu den Verhältnissen ohne jegliche Schutzmaßnahmen
Anm.: der L- und der S-Faktor werden oft zum LS-Faktor (Topographiefaktor) zusammengefaßt.
(Weitere Details zu den Faktoren der ABAG und deren Modifikation s.u. "Berechnete Datensätze für die einzelnen Faktoren der ABAG")
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Vorbemerkungen zur Berechnung der ABAG
Bezogen auf die räumlichen Bezugseinheiten arbeitet die ABAG schlagbezogen. Dieser Umstand führte u.a. dazu, daß die (spätere) EDV-technische Umsetzung der ABAG i.d.R. alle Faktoren auf die Schläge bezieht und mit einem vektororientierten GIS-Werkzeug arbeitet. Mit Ausnahme des LS-Faktors wird hierbei davon ausgegangen, daß alle anderen Faktoren innerhalb des Schlages konstant sind, was jedoch für den K-Faktor oft nicht zutrifft. Beim LS-Faktor bietet die ABAG die Möglichkeit, den Schlag in gleich lange Abschnitte unterschiedlicher Neigungen zu unterteilen.
Die hier vorgestellte Modifikation und EDV-technische Umsetzung der ABAG besteht im wesentlichen im folgenden:
Anm.: Ein Vergleich unseres Ansatzes mit herkömmlichen, vektororientierten GIS-Ansätzen befindet sich z.Zt. in Arbeit.
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Basisdaten für die Berechnung der ABAG
Herkunft der Daten: siehe Hinweise am Ende dieser Seite.
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Berechnete Datensätze für die einzelnen Faktoren der ABAG
Die Berechnung der ABAG erfolgte am Beispiel des Gebietes "Ebergötzen", das auch auf den Seiten zu den Themen "Produkte" / "Relief" und "Boden" vielfach zu finden ist und somit die Möglichkeit zu Vergleichen bietet.
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Faktor der ABAG / Erläuterung |
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R-Faktor (Regen- und Oberflächenabflußfaktor) Bei Bodenerosionberechnungen werden oft nur die
Niederschlagswerte der nächstgelegen Klimastation auf das gesamte
Untersuchungsgebiet übertragen. Auf Grund der relativen hohen Reliefenergie
im Gebiet Ebergötzen ist hier jedoch eine Regionalisierung der R-Faktoren
angebracht. Die nebenstehende Abbildung zeigt deutliche Unterschiede für den R-Faktor (38 bis 73), wobei vor allem die im Westen gelegene Hochfläche des Göttingen Waldes mit hohen Werten auffällt. Innerhalb des ackerbaulich genutzten Gebietes liegt die Spannweite des R-Faktors immerhin noch zwischen 38 und 61. Regionalisierung von Niederschlägen: Die Berechnung der Jahresniederschläge erfolgte
auf Basis eines Niederschlagsdatensatzes von Niedersachsen (200 m
Rasterweite), der von Jürgen Böhner (Geogr.
Inst. Uni. Göttingen) berechnet wurde. Die Grundlage für
diesen Datensatz bilden (in Kurzform): 46 Klimastationsdaten von Niedersachsen,
ECHAM3-T42 bzw. ECHAM3-T108 Klimamodelldaten, Zirkulationsdaten (850 hPa-Niveau),
ein DGM mit 200 m Rasterweite, Berechnungen zu Luv- und Lee-Lagen
(unter Berücksichtigung der Horizontüberhöhung). |
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K-Faktor (Bodenerodierbarkeitsfaktor) Der K-Faktor berechnet sich laut ABAG nach folgender
Formel: Die Werte für OS, A und D können nur im Labor exakt bestimmt werden. Da hier die in den modernen bodenkundlichen Sprachgebrauch übersetzten Bodenschätzungsprofile benutzt wurden und daher einige Bodenmerkmale fehlen oder unsicher sind, wurden die Werte für OS, A und D geschätzt und im gesamten Gebiet als konstant angenommen. Es wurde A = 3, D = 3 und OS = 3 gesetzt. Ähnliche Probleme bereitet ebenfalls der Feinstsand-Anteil. Er wurde in prozentualer Abhängigkeit (10%) vom Sandanteil geschätzt. Die Regionalisierung des K-Faktors basiert daher auf den regionalisierten Schluff- und Sandanteilen (weitere Details hierzu siehe: "Produkte/Boden/Bodenarten"). |
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LS-Faktor (Topographiefaktor) (1) Der LS-Faktor wurde in Variante (1) nur für Ackerflächen berechnet. Hierbei wird davon ausgegangen, daß außerhalb (meist oberhalb) der Ackerflächen kein Oberflächenabfluß auftritt. Modifizierung des LS-Faktors: Die Modifizierung des LS-Faktor besteht hauptsächlich darin, daß statt der Hanglänge die Fläche des Einzugsgebietes (dividiert durch die Rasterweite des DGM) als L-Faktor verwendet wurde (vgl. MOORE & WILSON 1992) (siehe "Literaturliste"). Problem: "erosionswirksame Hanglänge" Die ABAG gilt nur für den Bereich des Hanges,
wo tatsächlich Erosion stattfindet, d.h. ab der Stelle, wo die Erosion
einsetzt bis zu der Stelle, wo die Akkumulation beginnt. Da hierfür
i.d.R. Geländebefunde fehlen, wird die erosionswirksame Hanglänge
oft über Modelle zur Ausgrenzung von Akkumulationsbereichen abgeschätzt.
Von verschiedenen Autoren (z.B. MOORE & BURCH 1986) (siehe "Literaturliste")
wurden bereits eine Vielzahl von Erosion-/Akkumulationsindices bzw. Depositionsmodellen
entwickelt. Anm. 1: Begrenzungen der erosionswirksamen Hanglänge (z.B. durch Feldwege und Gräben) sind z.Zt. noch nicht berücksichtigt. Anm. 2: Erläuterungen zur Berechnung der Basisgrößen für den LS-Faktor finden sich unter "Produkte" / "Relief" / "lokale Reliefparameter", Stichwort "Neigung" und "Produkte" / "Relief" / "komplexe Reliefparameter", Stichwort, Einzugsgebietsgrößen. |
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LS-Faktor (Topographiefaktor) (2) Der LS-Faktor wurde in Variante (2) für das
Szenario "das Gesamtgebiet ist Acker" berechnet. Hierbei wird
davon ausgegangen, daß überall Oberflächenabfluß
auftritt. Ansonsten gelten die Bedingungen wie bei der Abbildung LS-Faktor
Variante (1) (s.o.). |
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Ergebnisse der Berechnung der ABAG (Szenarien)
Da für den C- und P-Faktor keine Geländebefunde vorlagen, wurden Szenarien gerechnet, bei denen für das gesamte Gebiet verschiedene Fruchtfolgen (verschiedene Werte für den C-Faktor) angenommen wurden. Der P-Faktor wurde auf 1.0 gesetzt. Dies bedeutet, daß angenommen wird, daß keine Erosionsschutzmaßnahmen getroffen wurden, was im Gebiet Ebergötzen überwiegend zutrifft, da z.B. meist kein "Konturpflügen" erfolgt.
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Ergebnisse der ABAG / Erläuterung |
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(1) Berechnete Bodenerosion für Ackerflächen
Gesetzte Werte für: P-Faktor = 1.0, C-Faktor
= 0.277 |
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(2) Berechnete Bodenerosion für Ackerflächen
Gesetzte Werte für: P-Faktor = 1.0, C-Faktor
= 0.036 |
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(3) Berechnete Bodenerosion für Gesamtgebiet Dieses Szenario stellt den "worst case" dar. Auf Grund der z.T. sehr hohen Neigungswerte, der sehr großen Hanglängen (bzw. Einzugsgebietsgrößen) und der erosionsfördernden Anbaufrucht Mais wäre unter diesen (zum Glück fiktiven) Bedingungen mit extrem hohen Bodenabtragsraten zu rechnen. Anm.: Besonders im zentralen Bereich der Karte (Schweckhäuser Wiesen) fällt innerhalb der Blautöne eine Streifung (Treppung) der berechneten Abtragsraten auf. Der Grund hierfür liegt darin, daß auch in dem verwendeten, qualitativ hochwertigen DGM Fehler enthalten sind: Das auf der Basis von digitalisierten Isohypsen erstellte DGM neigt auf Grund des verwendeten Interpolationsverfahrens zu isohypsenparallelen Schwankungen der Höhenwerte bzw. der daraus abgeleiteten Neigungswerte. Da der LS-Faktor die Hangneigung stärker als die Hanglänge gewichtet, wird dieser Effekt verstärkt (siehe auch oben in Abbildung LS-Faktor Variante (2) "alles ist Acker"). |
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Anmerkungen zu den Abbildungen:
Ausschnitt (7,5 x 7,5 km) aus Niedersachsen (östliches
Vorland des Göttinger Waldes)
Herkunft des DGM: "DGM5", freundlicherweise zur Verfügung gestellt
von:
"Landesvermessung + Geobasisinformation Niedersachsen (LGN)"
Rasterweite des DGM: 12,5 m, ergibt 601 x 601 Rasterzellen für den
Ausschnitt
Alle Darstellungen geschummert, bei 4-facher Überhöhung
Bodenprofildaten (zur Regionalisierung des K-Faktors) freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung (NLfB)